In Krefeld gab es im letzten Jahr elf getötete Verkehrsteilnehmer: Drei Autofahrende, vier Radfahrende und vier Fußgehende. Das sind alleine 2025 mehr als in den letzten fünf Jahren zusammen!
Im Dezember veröffentlichten lokale Zeitungen eine Stellungnahme der Polizei, die die Häufung der Todesfälle als einen „statistischen Ausreißer“ bewertete: „Wir können aus den aktuellen Unfällen keine konkreten Handlungsmöglichkeiten ablesen“. Weiter hieß es: Helm, richtige Kleidung (Reflektorjacken) , Training („Gebrauch von Pedelecs […] schulen“).
Das ist alles unbestritten, richtig und wichtig, aber alles richtet sich ausschließlich an die, die ohnehin am meisten unter diesen Unfällen leiden. Es ist eine Täter-Opfer-Umkehr!
Der ADFC Krefeld nimmt Stellung dazu in der folgenden Pressemitteilung vom 03.01.2026
Täter-Opfer-Umkehr im Straßenverkehr beenden
Prävention muss endlich dort ansetzen, wo 75 % der Fehler passieren.
Die im vergangenen Jahr besorgniserregend hohe Zahl schwerer und tödlicher Radverkehrsunfälle in Krefeld zeigt: Für Radfahrende ist es auf Krefelds Straßen manchmal lebensgefährlich.
Auch wenn die Gesamtzahl der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrenden gesunken ist, und die schweren und tödlichen Kollisionen meistens durch eine Verkettung von Regelverstößen und ungünstigen Umständen verursacht werden, sind sie nicht schicksalhaft.
„Wenn auf getötete Radfahrende mit dem allgemeinen Hinweis reagiert wird, sie mögen bitte Helme tragen und reflektierende Kleidung anziehen, ist das eine klassische Täter-Opfer-Umkehr“, kritisiert der ADFC Krefeld. „Ein Helm kann Unfallfolgen mildern, aber keine Kollision verhindern. Und keine Signalweste kann einen fehlenden Schulterblick im Kfz beim Abbiegen kompensieren.“
Bei der Prävention und bei der Verkehrsüberwachung gilt es also, den Blick auch dorthin zu richten, wo laut Unfallstatistik rund 75 Prozent aller Fehlverhalten liegen, die zu Kollisionen mit Radfahrenden führen: nämlich bei den Kfz-Fahrenden.
Der ADFC erinnert daran, dass sowohl der Innenminister als auch der Verkehrsminister auf Veranstaltungen der NRW Initiative #sicherimStraßenverkehr (auch in Krefeld) ausdrücklich betonten, dass die Präventionsarbeit verstärkt den motorisierten Verkehr in den Blick nehmen muss. Denn dort entstünden die meisten gefährlichen Situationen für ungeschützte Verkehrsteilnehmer*innen.
Der Fahrrad-Club erwartet daher von der Polizei Krefeld:
- Intensivere Ahndung von Abbiegefehlern, insbesondere an großen Kreuzungen mit starkem Lkw-Verkehr
- Kommunikationsoffensiven, die sich klar an Autofahrende richten und nicht nur an die Opfer von Unachtsamkeit und Regelverstößen
- Überwachung und Ahndung von mangelndem Überholabstand
- Wirksame Maßnahmen gegen Falschparken, wenn Rad- und Gehwege blockiert oder Kreuzungsbereiche zugestellt werden, damit Menschen nicht gezwungen werden, in gefährlichen Verkehrsraum auszuweichen. Die bisherige „Delegation“ dieser Aufgabe an den KOD hat sich als wenig effektiv erwiesen.
- Einbringung der Expertise aus dem Verkehrsalltag in Verbesserungsvorschläge für eine sichere und möglichst fehlerverzeihende Infrastruktur.
Bereits im Februar 2024 hatte der ADFC der Polizei und der Ordnungsbehörde konkrete Vorschläge unterbreitet, darunter für Kontrollen der Überholabstände auf besonders kritischen Straßen sowie für Maßnahmen gegen Dauer-Falschparker an bekannten Hotspots. Passiert ist diesbezüglich offenbar bislang sehr wenig.
„Wer echte Verkehrssicherheitsarbeit will, muss dort ansetzen, wo die Gefahren entstehen – nicht dort, wo die Opfer stehen“, so der ADFC. Die Krefelder Polizei antwortete auf eine Anfrage des Vereins, dass man bei der Durchführung von präventiven Aktionen darauf achte, möglichst viele der involvierten Verkehrsteilnehmenden zu adressieren. Angesichts dieses Statements wundert man sich im ADFC allerdings, dass davon in den Veröffentlichungen wenig zu lesen sei, während die Hinweise auf den Eigenschutz der Unfallopfer gebetsmühlenartig wiederholt werde.
Die konkrete Frage des Fahrrad-Clubs zu Verkehrskontrollen an der Kreuzung Werner-Voß-Str. / Charlottering nach der tödlichen Kollision im Mai blieb leider unbeantwortet. Die immer noch abgenutzte Furtmarkierung an der Unfallstelle und die ungewöhnliche Ampelschaltung waren offenbar auch noch kein Anlass für entsprechende Verbesserungsvorschläge an die zuständigen Verkehrsbehörden.
Im Verbund mit anderen Organisationen setzt sich der ADFC für einen ganzheitlichen Ansatz in der Verkehrssicherheitsarbeit ein, mit dem Unfallursachen sowohl auf der Verhaltensebene als auch durch Modernisierung der Infrastruktur bekämpft werden.