Vision Zero in Krefeld?

Vision Zero heißt, dass keine Verkehrstoten akzeptiert werden. Es heißt, konsequent allen Fehlerquellen nachzugehen, für Verbesserungen zu sorgen und Unfälle nicht für unvermeidbar zu halten.

Dass das möglich ist zeigen Städte wie Helsinki und Oslo. Dass man mit konsequentem Vorgehen dem Ziel immer näher kommen kann, sieht man in Bologna, Lyon und vielen weiteren Europäischen Städten. Ingwar Perowanowitsch hat das sehr gut zusammengefasst (Utopia-Artikel, August 2025).

Und in Krefeld?

Im Mai 2025 kam es zu einem Fahrradunfall an der Kreuzung Werner-Voß-Straße / Charlottering bei dem ein 87-jährige Radfahrer ums Leben kam.

Der ADFC hatte damals konkrete Vorschläge gemacht und auf vorhandene Missstände hingewiesen. Gefordert wurden:

  • Erneuerung der verblassten roten Markierung für Radfahrende
  • Verbesserung der Ampelschaltung – es gibt z.Z. eine Ampelphase, in der sowohl der rechtsabbiegende PKW/LKW-Verkehr als auch der geradeaus fahrende Radverkehr gleichzeitig grün haben!
  • Anbringung von „Rüttelstreifen“ zur Reduzierung der Geschwindigkeit
  • konsequente Kontrolle der Abbiegegeschwindigkeit von LKW’s

Passiert ist lange nichts – inzwischen wurde zumindest die rote Markierung erneuert.
Die Ratsgruppe LUKS hatte daher am 10.02. nach dem Stand der Dinge gefragt und mit Schreiben vom 19.05.2026 liegt nun die Stellungnahme der Stadt vor – eine Stellungnahme, die fassungslos macht und zeigt, wie weit Krefeld vom Konzept Vision Zero entfernt ist!

Statt konkrete Verbesserungen der Sicherheit anzukündigen, erklärt die Verwaltung im Wesentlichen, dass alles regelkonform sei und deshalb keine Änderungen vorgesehen seien.

Wer ernsthaft Vision Zero verfolgt, kann sich nicht hinter dem Hinweis verstecken, eine Kreuzung entspreche den geltenden Richtlinien.

Konkret heißt es, es habe sich „leider […] um einen „klassischen“ Toter-Winkel-Unfall gehandelt“. Moderne Verkehrssicherheitsdebatten machen seit Jahren deutlich: Der „Tote Winkel“ ist kein Naturgesetz, sondern ein Konstrukt, das häufig genutzt wird, um systemische Sicherheitsmängel zu normalisieren. Wenn Kreuzungen so gestaltet sind, dass Menschen von abbiegenden LKW übersehen werden können, dann ist genau das das Problem der Infrastruktur und Verkehrsführung.

Noch problematischer wird es im Text aber in der Ablehnung einer verbesserten Ampelschaltung. Neben dem schon schwer erträglichen „ist bundesweit an der Mehrzahl von Kreuzungen […] üblich und auch RiLSA-konform“, macht einen das dann folgende Argument aber endgültig fassungslos: Eine veränderte Schaltung würde „einen enormen Druck auf den motorisierten Verkehr (MIV) ausüben und zu Fehlverhalten (Gelb- oder gar Rotlichtverstößen) führen“.

Ja welches Fehlverhalten denn noch, wenn die bestehende Situation zu tödlichen Unfällen führen kann? Und ist es nicht eine totale Resignation, wenn man sichere Regelungen nur deswegen nicht durchsetzt, weil dann Verkehrsteilnehmer aus Verärgerung Rotlichtverstöße begehen würden?

Beim letzten Punkt, den „Rüttelstreifen“, stelle man schlicht fest, dass die „nicht vorgesehen“ sind – eine „Argumentation“ bleibt uns erspart.

Wer Vision Zero ernst meint, darf sich nicht damit zufriedengeben, tödliche Unfälle im Nachhinein als bedauerliche Einzelfälle innerhalb eines ansonsten funktionierenden Systems zu betrachten. Jeder tödliche Unfall ist ein Beleg dafür, dass das System eben nicht sicher genug war.